Aufregender Tag, weil Ausflug mit dem Touristenkreuzer.
Mitten in der Nacht aufgestanden. Man hatte Bedenken den einzigen (!) Bus von Mellerud nach Haverud zu verpassen. Der sollte um 7:30 Uhr in Mellerud ablegen. Am Abend vorher schon die Räder klar auf dem Steg angebunden, den Rucksack gepackt, genau überlegt, was anzuziehen sei, die Helme klar gelegt und überhaupt alles vorbereitet. Wir waren auch nur 20 Minuten zu früh an der Haltestelle. Für Karins Verhältnisse also äußerst knapp. 😉
In Haverud waren wir dann um 8:00 Uhr. Das Schiff sollte um 10:50 ablegen. Da waren wir dann schon eher in Karins Sicherheitsbereich.
Wir haben dann bei strahlendem Sonnenschein auf einer Bank erst gesessen, dann gelegen. Mann war ich müde. Gegen 10:00 Uhr hat dann wenigstens das Touristenbüro mit ausgezeichneten Fascilitäten sowohl zum sitzen als auch sonst und einer Kunstausstellung aufgemacht.
Dann ging es an Bord, nachdem wir beim Kapitän persönlich unseren Obulus entrichtet hatten.
Der Kanal war auch aus der ungewohnten Perspektive wunderschön. Karin hat immer wieder betont, dass sie sich freut, gar nichts tun zu müssen.
Wir hatten ja ein Lunch mit gebucht. Dafür war unten im Schiff im Salon eingedeckt. Man konnte auch der Crew bei der Vorbereitung der Teller zusehen. Karin fand das Mahl sehr übersichtlich. Auf den Tellern lag ein Stück Stremellachs, eine ganz kleine Scheibe Brot, und etwas Salat, für Karin extra mit eingelegten Zwiebeln. 😮 Weil das auch gar nicht so recht in Gang kam, hat sie entschieden, dass man schon mal eine Cloetta Keks und ein Muffin samt zugehörigem Kaffee zum Vorglühen haben sollte. Das war fein zur Überbrückung aber nicht notwendig. Als man zu Tische rief wurden nämlich noch feine Pellkartoffeln und Sourcreme gereicht. Karin ist gut satt eworden. Ich auch.
Über den Tag war es immer wärmer gworden. Der Rückweg vom Zielort Bengsfors erfolgte dann mit dem halbhistorischen Schienenbus. Der fuhr durch bis zu unseren Fahrrädern in Mellerud. Nur den zu erreichen war stramm. Gefühlt ging es drei Kilometer bergauf vom Anleger zur Bahnstation.
Zurück an Bord waren wir deutlich nach 18:00 Uhr. Langer Tag und ganz ohne Diclofenac. Ich versuche den Verbrauch ja weiter einzuschränken.
Abends kam von Hartmut die Meldung, dass man sehr viel später am Morgen hätte starten können, wenn in Köpmannehamn eingefädelt, an Köpmannebro vobei durch eine Schleuse bis Upperud geschippert wäre. Das gehe auch mit dem hohen Mast und dem Tiefgang zwei Meter. Von Upperud seien es zwei Kilometer nach Haverud. Hätte er ja auch mal einen Tag früher melden können. In meinen Seekarten sind die Brücken nicht als beweglich gekennzeichnet. Deshalb sind wir da nicht hineingefahren.
Heute Morgen wieder mal rechtzeitig aufgestanden. Trotzdem fast die letzte Bücke verpasst. Wir waren nämlich schon fast im Aufbruch, als die nette Norwegerin um Hilfe mit ihrem Scheuerbrett bat. Ich hatte ihr gestern erklärt, dass, wenn man einfach nur Löcher bohrt und die Leine da hindurchzieht, die sich an der rauhen Oberfläche der Schleusenwände schnell durchscheuert. Man bohrt also von oben, trifft ein Querloch und hindert die Leine mit einer Acht am rausziehen. Da scheuert dann nur noch das Brett, nicht mehr die Leine. Also flugs die Bohrmaschine ausgepackt, neue Löcher gebohrt und dann am Schluss das Brett auch noch um 30 cm gekürzt, damit es einfacher zu verstauen ist.
Danach Alarmstart und mit zwei anderen Booten die Brücken geschafft.
Erst ein bisschen motort, nach einer halben Stunde war genug (knapp) Wind zum Segeln. Das war fein nach der ganzen Motorerei.
Leider ist jetzt unser Windmess ausgefallen. Ob und wenn ja wie ich das heilen kann, weiß ich noch nicht. Egal. Früher ging es auch ohne so neumodischen Kram.
Dienstags trifft man sich hier mit den Oldtimern. Ich habe viele Bilder gemacht. Die kann ich hier aber kaum hochladen. Man fühlt sich, obwohl in Schweden fast wie in Deutschland auf dem Land.
Noch ein Funfact: Morgen wollen wir eine Tour mit dem Passagierschif auf dem Dalslandkanal machen. Ich habe mich per Telefon angemeldet. Zahlen soll ich morgen an Bord. Ich: Gut das mache ich immer mit dem Telefon. Sie: Nein, das geht nicht. Es funktioniert nur Barzahlung. Das Netz ist so schwach, dass wir Kartenzahlung nicht anbieten können.
Wirklich pünktlich um 8:50 abgelegt. Eine gute halbe Stunde vor der Einfahrt in den Kanal gewartet bis es grünes Licht für uns gab. Kanal abgetuckert. Straßenbrücke. 20 Minuten Holdup.
Aber dann gab der Brückenwärter alles. Geschlagen eineinhalb Stunden lagen wir vor der Eisenbahnbrücke. Ich habe durchaus versucht, mich per UKW zu verständigen. Antwort gab es auf keinem der Kanäle.
Besser ging dann die letze Straßenbrücke. Da mussten wir wieder gar nicht warten, nur etwas langsamer fahren. Der Hafen in Vänersborg ist nett, aber auch speziell. Längsseits an schwimmender Anlage hat etwas vom Schleusen im Kiel Kanal. Und der Preis für die Übernachtung war mit knapp 40 € stolz.